interview

getraeumte taten andreas estevan schreyer dreams crystallise

interview I

ein auszug aus dem interview Best of Jewelry für designerschmuck mit Andreas EstevanSchreyer
RANDVOLL MIT BEDEUTUNG
Im Februar 2001 wurde der erste Bauabschnitt der Fünf Höfe eröffnet. Es war die Geburtsstunde von AndreasEstevanSchreyer `s Geträumte Taten. Ein neues Schmuckgeschäft in München? Ja! Aber das ist bei weitem nicht alles. Der in München geborene Gestalter hat ab 1989 in New York, Aspen und San Francisco Design studiert. Sein erstes Studio startete er in San Francisco, danach kam er nach Feldafing, bevor er in die Fünf Höfe einzog. Ein Gespräch!

Was ist Ihr persönlicher Hintergrund? Andreas-Estevan Schreyer: Das ist die umfassendste Frage, die Sie mir stellen können. Um es in Worte zu fassen: Mein persönlicher Hintergrund ist das Meer und das Gefühl frei zu sein. Die Musik und Theaterkunst sind meine Energiequellen und Inspiration zu meinen Juwelen. Indem, was ich tue, spüre ich meine Freiheit. Ich empfinde das als meinen größten Luxus und mein größtes Glück. Denn daraus entstehen Schmuckstücke, die tragen, die sich keiner Regel unterwerfen und daraus ihre Magie entfalten. Sie sind randvoll mit Bedeutung. Was möchten Sie mit dem poetischen Begriff Geträumte Taten ausdrücken? Jeder Traum trägt eine Tat in sich. Die Tat trägt den Traum in die Realität. Juwelen sind geträumte Realität. Auf der zweiten Seite dieser Medaille steht der Name Geträumte Taten allein an unsere Kunden adressiert: Kein Wunsch bleibt unerfüllt. Wir setzen jeden Traum in eine Tat um, ohne wenn und aber. Juwelen berühren uns. Wir spüren etwas wie in einem Traum, ganz real, wenn wir sie betrachten. Es gibt nicht nur Schmuck, sondern auch Briefpapier mit Stahlstichen und Keramik bei Geträumte Taten. Inzwischen findet man sogar Bücher und Gedichtbände. Was waren dabei die Motive? AES: Die Liebe zu Worten, zu dem, was sie auslösen, was sie bewirken: Freiheit. Ein Schmuckstück oder ein handgeschriebener Brief, ein geliebtes Buch, eine Keramik sind alles Juwelen, die die Zeit überdauern und nicht an Wert verlieren, die wertvoller werden in jeder Hinsicht. Geträumte Taten-Kunden wollen wissen, was ich empfehle. So wie ich alle Steine persönlich auswähle, so stelle ich unseren Kunden Bücher, Keramiken, ausnahmslos Spezialitäten, zusammen. Alles hat einen inneren Zusammenhang. Auf der Ceramix finden sich Texte aus den Büchern, so wie die Texte auf Schmuckstücken oder Gravuren mit Symbolen vergangener Stilepochen, alles fliest ineinander. Die Ceramix wird speziell nach meinen Entwürfen in einem kleinen Münchner Keramik Atelier angefertigt. Durch was unterscheidet sich Geträumte Taten vom traditionellen Juwelier? AES: Der weitaus größte Teil unserer Stücke sind eigene Entwürfe und Anfertigungen. Der Rest wird individuell von Designern und Goldschmieden für Geträumte Taten angefertigt. Wir denken frei und unkonventionell.
Ihr Schmuck beinhaltet häufig Symbole vergangener Stilepochen. Warum? AES: Die Symbole vergangener Stilepochen zu studieren und zu zitieren bedeutet, bilden, entwickeln, fortsetzen, was man weis, hin zu dem neu Geformten, das neue Bedeutung annimmt. Man schöpft aus dem, was war zu dem, was ist, denn das wird sein. Das jetzt steht im Vordergrund. Es ist wie bei den Nornen: Bedeutung, die auf Wurzeln verweist. Aus dem Jetzt in das Morgen. Jewels of now and tomorrow. Welche Menschen werden durch Geträumte Taten angesprochen?
AES: Ich habe noch niemanden getroffen, der bei uns unbeteiligt geblieben ist. Selbst die hartnäckigen Herren, die von Ihren Frauen zu Geträumte Taten „geschleppt“ werden, blühen sichtbar auf. Ich bin stolz, dass Geträumte Taten-Kunden aus jeder Gesellschaftsschicht kommen, vom Hochadel bis hin zum bayrischen Landwirt. Bei uns trifft sich alles in einem gemeinsamen Punkt der Freude.
Was waren bisher Ihre großen Erfolgserlebnisse?
AES: Natürlich freut es mich schon sehr, wenn ich am anderen Ende der Welt einen Kunden treffe und eines meiner Schmuckstücke unverhofft blitzen sehe, irgendwo, unerwartet. Diese Momente sind wie Sternschnuppen, daran gewöhne ich mich nie. Wenn es passiert, ist es immer wie beim ersten Mal. Und wenn ich dann daran denke, das der Nummer 1 Showmaster und der Nummer 1 Fußballer zu unseren Kunden gehören, freue ich mich ebenso. Das empfinde ich als Auszeichnung. Denn sie haben weltweit alle Möglichkeiten und kennen alles. Sie wissen was Qualität und Stil bedeutet. Sie sind gebildet, feinfühlig und herzlich. Wenn wir auf ihrem Terminplan bei einem Münchenbesuch stehen, dann ist das ein Zeichen unseres Erfolgs. Einer von Ihnen ist meine persönliche Ikone. Wenn er den Laden betritt, ist das ein persönliches Glückserlebnis für mich und eine Auszeichnung für Geträumte Taten.

interview II

.Der Schmuckversteher

Andreas Estevan Schreyer
ist der Poet unter den Juwelieren

„Geträumte Taten“, hat Andreas Estevan Schreyer sein Geschäft genannt. Beide Namen klingen verdächtig nach Esoterik-Hauptseminar. Aber der Verdacht von Aufgesetztheit verschwindet schnell, wenn man mit dem zunächst scheuen, verschlossenen Juwelier auf der Eckholzbank in einem kleinen Restaurant bei Milchkaffe und Quellwasser in ein zum Ende doch heiteres Gespräch kommt. Das Restaurant schräg gegenüber von seinem Geschäft in der schmalen Passage, die zu den schicken Fünf Höfen in München gehört, ist so eine Art Empfangsraum für Schreyer. Im eigentlichen Laden ist kein Platz. Klein ist er, aber besonders, eigenwillig, immer wieder neu dekoriert. An manchen Montagmorgen wähnen Kunden sich vor einem ganz anderen Geschäft. Wobei Geschäft fast zu profan klingt. Es ist wohl eher gedacht als ein Zuhause für die individuellen Schmuckstücke. Schon allein wegen der in Schwarz-Weiß handgedruckten Tapeten, die der Chef in Berlin fertigen lässt. Selbst der große Safe ist eine Sonderanfertigung, ein Möbel, kein Panzer: Mit Worten, Zitaten dekoriert. Wie die „Memory Blocks“, kleine und größere Keramikblöcke des Kanadiers Sid Dickens, verziert mit Fantasiemotiven und kleinen Weisheiten, die als Sushi-Platte gerade so taugen wie zum Wandschmuck. „inside the horizont“ (Im Horizont) oder „the essential is invisible“ (Das Wichtigste ist unsichtbar) steht zum Beispiel darauf. Oder „sei der richtige Augenblick“. So etwas trifft Schreyer und auch seine Kunden ins Herz. „Sie bergen wie der schmuck eigene Erinnerung. Man findet seine Fantasie und Poesie wieder“. „Gemeinsam, today, tomorrow“ sind auch Lieblingsworte. Gern Deutsch und Englisch gemischt.
Der gebürtige Münchner, der sein Alter nicht preisgeben mag, ist halt ein Träumer, das darf man positiv verstehen, und bezieht daraus die Energie für seine Designs. Die Schmuckentwürfe sind inspiriert von der Musik Richard Wagners, den Visionen des US-Künstlers Matthew Barney und dem Starnberger See. Aber auch von der Serengeti-Wüste oder vom Meer. Weil beide für Weite stehen.
Schon als Kind war er anders, las sehr gern, hörte Musik. Allerdings weniger das, was die Mitschüler schätzten. Mit zwölf versank er im „Zauberberg“ und vertiefte sich in den „Parsifal“. Wagner ließ ihn nicht mehr los. Er verbrachte schon als Elf- jähriger Austausch-Schüler Wochen in England und flog als Teenager nach New York, nur um Jessye Norman in der „Walküre“ hören zu können. Endlich volljährig, zog er an den Starnberger See, weil es der Ort war, der seiner Seele so vertraut schien. Ging dann nach San Francisco, New York und Los Angeles zum Designstudium, lernte nebenbei Goldschmieden, weil „das dort jeder machte“. Bis heute verzieht sich der durchaus erfolgreiche Geschäftsmann immer wieder ins pittoreske Mill Valley, wo die Zeit noch etwas langsamer vergeht und seinen Ideen Raum lässt. Für Schmuck, aber auch für Gedichte oder Theaterstücke. Denn „aesJewel“, so die Marke, ist ja eher als eine Art poetisches Gesamtkunstwerk zu verstehen. „Die Tat ist das Glück. Es läuft ständig an Ihrer Tür vorbei; Sie müssen nur danach greifen!“ schreibt Schreyer in einer Art Ode, verziert mit einem goldgeprägten Flügel. Nein, kein Engel, sondern ein Falke. Das Blatt können Kunden einem kleinen Ständer vor seinem Geschäft entnehmen.
Das Glück ist auch an ihm nicht vorbeigelaufen, sondern hat sich neben ihn gesetzt, als er ende 2000 bei der Hypo Vereinsbank in München vorsprach, um eine Unterstützung als Existenzgründer zu bekommen. „Ich hatte gar keinen Kundenstamm, schon gar nicht für 20.000 Euro Ringe.“ Aber Überzeugungskraft. Und kurz darauf ein Geschäft in den Fünf Höfen. Und längst Kunden, die mehr als 20.000 Euro für einen Ring zahlen können, und auch solche, die als sehr prominent gelten. Träume können also durchaus tatkräftig sein.

das Gespräch führte Inga Griese